George

geboren am 1. Oktober 1925 in Bukarest † 2007
Beruf: Dressurausbilder
Im Alter von 31 Jahren ist der gebürtige Rumäne als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen und hat im ehemaligen Gestüt Lindenhof einen Dressurausbildungsstall gegründet.
George Theodorescu ist einer der weltbekanntesten Ausbilder der klassischen Dressurreitkunst und spricht exklusiv über seine ersten Erfahrungen mit Pferden, seine Wegbegleiter, den Dressursport im Allgemeinen und über seine Philosophie.
Blättern Sie im onlineArchiv mit interessanten Dokumenten, Geschichten und Videos - erleben Sie die Faszination des Dressursports und schauen Sie einem "Alten Meister" über die Schulter!
| Die Anfänge meiner Reiterei Mein erster Pferdekontakt kam in sehr jungen Jahren durch meinen Großvater in Rumänien. |
|
| Alle Pferde liefen frei, es gab nur einen Zaun rund um das Haus. Man konnte überall reiten, es gab keine Zäune oder Reitplätze. Mein Großvater sagte: "Du musst Dein Pferd laufen lassen, und wenn Du es rufst und es kommt zu Dir, dann zeig es mir." Ich bekam für meine bevorstehenden Reitanfänge eine ältere Schimmelstute Namens "Mizzi" von meinem Großvater, und nun musste ich sehen, wie ich zurecht kam. |
![]() |
| Zu aller erst habe ich sie mit Hilfe eines jungen Mannes aus dem Stall, meiner Seife und Wasser aus der Regentonne gewaschen, denn was für mich gut war, konnte aus meiner Sicht auch dem Pferd nicht schaden. Dann habe ich mich sehr viel mit ihr beschäftigt, habe sie immer wieder gerufen, ihr Möhren und Zucker gegeben, und nach ungefähr einer Woche hatte sie so viel Vertrauen, dass sie auf Zuruf kam, und ich dies ganz stolz meinem Großvater zeigte. Er nahm es ohne jegliche Begeisterung zur Kenntnis, denn für ihn war das Verhalten der Stute Basis um sie zu reiten, gab mir eine alte Trense und einen ebenso alten Sattel und sagte zu mir: "Hier hast Du alles, jetzt kannst Du reiten." Obwohl ich noch sehr jung war, war ich doch sehr froh, dass ich bevor ich angefangen habe zu reiten, dieses gute Verhältnis zu "Mizzi" aufgebaut habe.
|
|
| Die schönsten Einerwechsel meines Lebens In meinem Leben habe ich sehr viel mit Pferden erlebt, aber eines der schönsten Erlebnisse waren die einhändigen |
|
| Einerwechsel mit Monica auf dem Schoß, als sie ein Jahr alt war, mit einem Pferd, das als vollkommen verängstigtes Tier in unseren Stall kam.
In diesem Moment kam damals Neckermann in die Halle und sagte: "Das sind die schönsten Einerwechsel, die ich je gesehen habe." |
![]() |
|
Meine Philosophie |
|
| Erst wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Pferd gegeben ist, dann kann man mit der Arbeit beginnen, denn aus der Beziehung heraus entwickelt sich das mit einander arbeiten. Das Schlimmste in der Ausbildung ist, wenn die Pferde Angst bekommen, egal wovor, denn mit Angst geht gar nichts. |
|
| Aus meiner Sicht ist die Grundlage jeglicher Reiterei das gegenseitige Vertrauen und die Achtung vor dem Pferd.
|
|
| Pferdepfleger, Pferdefreund und Ratgeber Mit einen meiner schönsten und größten Erfolge hatte ich mit einem Pferd, das als es zu mir kam so panisch war, dass man ihm noch nicht einmal auftrensen konnte, ohne aus den Trog zu steigen. |
|
| Dank unserem damaligen Pfleger, seiner Geduld und seinem Einfühlungsvermögen, ist es gelungen aus einem vollkommen verängstigten Tier wieder ein grandioses Turnierpferd zu machen, mit dem ich außerdem mit Monica auf dem Schoß, in den Wald reiten konnte.
Er hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier durch Liebe wieder hergestellt wird, und so habe ich mich dafür bedankt, indem er auf den gossen Turnieren dieses Pferd zwischen |
![]() |
| all den Dressurgrößen: so z.B. Dr. Reiner Klimke, Josef Neckermann, Linsenhoff, auf dem Abreiteplatz traben konnte. Er bedankte sich wiederum dafür, indem er mir vor dem Einreiten noch schnell ein paar gute Ratschläge gab: "...nicht die Ecken abschneiden, die Richter gucken nämlich"!
|
|
| Wie erkennt man das Gefühl für Pferde? George Theodorescu erzählt im Video eine Geschichte von Willi Schultheiss über Otto Lörke und dessen Fähigkeit bei Menschen Gefühl für Pferde zu erkennen. |
![]() |
|
Schlaufzügel - verboten ist verboten |
|
| Bei allen, auch auf reiterlich höchstem Niveau angesiedelten Diskussionen über dieses Thema bleibe ich dabei, dass sie auch nicht in Meisterhand gehören, denn entweder ist man ein Meister, dann braucht man sie nicht, oder man braucht sie, dann ist man kein Meister.
Es ist nun einmal so, dass aus meiner Sicht unheimlich viel Unheil damit angerichtet werden kann. |
![]() |
|
Meiner Meinung nach hat reiterliches Können überhaupt nichts mit Schlaufzügeln und Krafteinwirkung zu tun. Das beste Beispiel für mich ist meine Tochter Monica. Sie hatte schon immer auch große, kräftige Pferde, hat sie stets alleine geritten und ausgebildet, und noch nie Schlaufzügel in der Hand.
|
|
| Das kleine Taschenmesser und die Schlaufzügel Das Thema Hilfszügel ist immer wieder Diskussionsgrundlage für Trainer, Ausbilder und Reiter. Es geht um das wie, wer und wann und ob überhaupt. |
![]() |
| Schlaufzügeln hatte, der er auch ganz offen mit seinem kleinen Taschenmesser an der Kavallarieschule, an der er als Trainer in Zivil angestellt war, Ausdruck verlieh.
|
|
| Leichtigkeit und Schönheit Die klassische Reitweise zeigt Lektionen, die das Pferd auch in Freiheit oder auf auf der Weide zeigt. Angefangen bei dem Begriff "starker Schritt", bei dem das Pferd wie auf der Weide, und hier liegt die Betonung auf dem Wort "zufrieden" schreiten soll, bis hin zur Passage, in der das Pferd mit Blick auf die anderen Pferde über die Weide tanzt und schwebt, um ihnen zu imponieren. Sehr wichtig hierbei ist, dass nicht nur der Reiter, Richter und Zuschauer Spaß bei diesen Lektionen hat, sondern auch das Pferd, denn nur dann ist gewährleistet, dass diese Lektionen nicht ihre Leichtigkeit und Schönheit verlieren, denn welcher Tänzer wird zum Tanzen geprügelt und verliert nicht dabei die Lust!
|
|
| Die legendäre Quadrille München 1972 Olympische Spiele en miniature erlebten Reitsport- begeisterte unlängst in Warendorf, wo die bundes- deutsche Dressurelite an drei Tagen für München unter der Leitung von George Theodorescu trainierte.
|
|
|
|
|
| "Unsere" Reiter studieren eine Quadrille ein, die anlässlich der Schlussfeier der Weltspiele in der bayrischen Biermetropole vorgeführt wird. Schauplatz waren die Innen- und Außenanlagen des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei. An Zuschauern fehlte es an den drei Tagen nicht, denn ein jeder wollte "sie" einmal aus der Nähe erlebe: Dr. h.c. Josef Neckermann, Liselotte Linsenhoff, Dr. Rainer Klimke, Karin Schlüter (Mitglied der deutschen Olympiamannschaft) sowie Wolfgang Haug, Harry Boldt, Inge Theodorescu, Eva-Maria Pracht, Willy Schultheiss und "Bubi" Günther. Ebenfalls mit von der Partie sein werden in München Ilsebill Becher und als Ersatzreiter H. Kuckluck und G. Tempelmann. Eine alte neue Quadrille, die bereits in den 40er Jahren schon einmal zu sehen war. Willy Schultheis und Bubi Günther zählten damals mit zu den Reitern. Die Einstudierung für München `72 hat Dressurreiter George Theodorescu (Amshausen) übernommen. Bereits vor Warendorf hatten sich die deutschen Dressur-Asse zu einer Trainingswoche in München-Riem getroffen. was man nun in der Reiter- und Pferdestadt Warendorf zu sehen bekam, war höchste Perfektion. Piaffen, Passagen, Pirouetten "saßen" - für den Betrachter am Rande des Dressurvierecks ein unvergessenes Erlebnis. Der so genannte Kurzlehrgang lag in der Regie von Albert Stecken, dem Equipenchef der Dressur für München. Auch der Präsident des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei, Kurt Capellmann (Aachen), hatte es sich nicht nehmen lassen, "seine" Dressurreiter in Warendorf zu begrüßen und der Einstudierung der Quadrille beizuwohnen.... Und wohl kaum eine Nation kann das bieten, was diese Dressur-Elite zum festlichen Abschluss der Olympischen Spiele in München beitrug: die Vorführung der Deutschen Schulquadrille (von Oberst Felix Bürkner) in Topbesetzung. George Theodorescu aus Steinhagen-Amshausen hatte im vergangenen Jahr die Einstudierung der Deutschen Schulquadrille für München übernommen. Unter seiner Anleitung ritten Josef Neckermann, Liselotte Linsenhoff, seine Frau Inge, "Bubi" Gunther und viele bekannte Reiter mehr. Jetzt in Holland, die Quadrille wird anläßlich des Internationalen Springturnieres in Amsterdam (1.-4.11) vorgeführt, reitet George Theodorescu selber mit. Nicht dabei sein werden dafür Josef Neckermann, Willy Schultheiss und "Bubi" Günther. "Vor zwei Jahren hatten die Amsterdamer Turnierveranstalter die Spanische Hofreitschule eingeladen. Das ist noch die alte Dressur. Wir betreiben unsere Dressur zu Sport- und Wettkampfzwecken", so Inge Theodorescu kurz vor der Abfahrt nach Amsterdam. Sie, ihr Mann und die zehn weiteren Quadrille-Reiter haben sich kürzlich vier Tage lang in Warendorf in der Reithalle des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei auf die Auftritte in Amsterdam vorbereitet. Inge Theodorescu: "Es ist genauso wie beim Ballett. Jede Bewegung muss sitzen, muss abgestimmt sein." Gleich drei Pferde aus dem Stall Theodorescu werden im Amsterdam vertreten sein. Wilhelm Tell unter George Theodorescu (Albert Stecken: "Wilhelm Tell ist eines unserer besten Nachwuchspferde"), Marzio unter Inge Theodorescu und Jungherr unter Herbert Kuckluk. Mit dabei sind unter anderem Lieselott Linsenhoff auf Piaff, Karin Schlüter auf Mars, Ilsebill Becher auf Mizuko (wie in München) und Dr. Rainer Klimke auf York.
Die Interviews wurden im Sommer 2002 von Klaus Ohneberg in Sassenberg geführt. |
|







