Das Vollblut im Reitsport
Monica Theodorescu hat es geschafft, wovon viele träumen:
Einen Vollblüter bis zur höchsten Dressurklasse auszubilden. Von der Rennbahn ins Dressurviereck –
Monica erzählt, wie Arak xx zum Grand Prix Pferd wurde.
Täglich 2000 Meter m im zügigen Canter oder full speed bei Trainer Wilfried Schütz über die Sandbahn, alle vier bis fünf Wochen auf die Rennbahn zum Wettkampf, so begann Araks Leben. Dann kam für den damals fünfjährigen Wallach der große Schnitt in seinem Leben. Er musste lernen, genau das zu drosseln, was ihm drei Jahre abverlangt wurde: wie eine Rakete loszuschießen, sich lang zu machen und möglichst schnell zu galoppieren. Das Ziel hieß, schneller als die anderen zu sein, was ihm auch einige Male gelang. Arak, ein Sohn von Rocket, war kein Gruppe – Pferd, aber ein ordentliches Rennpferd, das brav seinen Hafer verdiente. Aber seine Karriere wurde jäh beendet: Arak erlitt Nasenbluten, wurde aus dem Training genommen und an eine Familie weitergegeben, wo er als Freizeitpferd geritten wurde. Über unseren Schmied hörte ich von dem Wallach, fuhr hin und ließ ihn an der Hand vorführen. Arak zeigte hervorragende Bewegungen und hatte nicht den bei Vollblütern weitverbreiteten Nähmaschinentrap. Mit seinem freundlichen und ausgeglichenen Charakter nahm mich der wunderschöne dunkelbraune Wallach sofort für sich ein. Er war ein echter Gentleman. Meine Eltern kauften Arak für 8000 Mark, auf Vorbehalt. Er blieb – bis er leider im Alter von 16 Jahren an einer Kolik einging. Durch meine Eltern, die viel von Vollblütern halten, kam ich bereits im Alter von sechs Jahren in Kontakt zu diesen Pferden. Mein erstes Pferd war eine Vollblutstute. Sie hat mir auf ihre Weise alles beigebracht, was man als Kind im Umgang mit Pferden lernen muss: Verständnis, Geduld, Partnerschaft, Vorsicht, aber auch Durchsetzungsvermögen im richtigen Augenblick. Der erste Kontakt mit diesen sensiblen, aufmerksamen, aber auch nichts verzeihenden Tieren blieb prägend für meinen weiteren Werdegang in der professionellen Reiterei. Meine herausragenden Erfolge hatte ich mit Warmblütern, mit Pferden, die über Generationen hinweg auf Dressur gezüchtet worden waren. Dennoch war das Verhältnis zu Arak intensiver. Vollblüter sind viel ansprechbarer, gelehriger und feinfühliger. Er hatte einen außergewöhnlichen Charakter. Er war sanft und menschenbezogen. Da war nichts Boshaftes, nichts Abweisendes, statt dessen eine Sensibilität, die ich nie bei anderen Pferden in dem Maße gefunden habe. Araks Ausbildung bedeutete für mich eine besondere Herausforderung und die Erfolge mit ihm eine große Freude. Der Anfang der Ausbildung war sehr mühsam. Sicher hätten viele Reiter an den schwierigen Punkten frustriert aufgegeben. Aber meine entspannte Einstellung – mal sehen wie weit wir kommen – half mir sehr, die nötige Ruhe und Gelassenheit für die große Umstellung des Pferdes mitzubringen. Die ersten Turniere waren für uns beide sehr aufregend. Unter Hunderten skeptischer Blicke musste ich Arak davon überzeugen, dass das Turnier kein Wettrennen war. Mit gespitzten Ohren beobachtete er das Publikum. Alle Muskeln seines athletischen Körpers spannten sich an, und die fliegenden Galoppwechsel wurden zu fliegenden Sprints. Dennoch, Arak machte Eindruck, selbst bei eingefleischten Vollblutgegnern. Mit viel Ausdruck, mit Eleganz und Charme absolvierte er seine ersten S-Dressuren nach knapp vier Jahren harter Arbeit. Ich habe Arak direkt in der S-Klasse eingesetzt. Die kleinen Prüfungen haben wir ausgelassen. Es hätte ihn unnötig Nerven gekostet. Ich gab dem Pferd viel Zeit und wartete geduldig, bis er für die großen Prüfungen reif war. Dafür musste er erst einmal die nötige Ruhe und Gelassenheit finden. Die Galopp – Pirouette (quasi ein Galopp auf der Stelle) war natürlich seine Schwäche. Aber Arak war außergewöhnlich gelehrig. Was er einmal gelernt hatte, vergaß er nicht mehr. Es machte viel Freude, mit diesem Pferd zu arbeiten. Arak bot ein hervorragendes Sitzgefühl und Durchlässigkeit, wie man sie bei einem schweren, grob-knochigen Warmblutpferd nie findet. Vollblüter sprechen auf feinste Hilfen an. Eine leichte, einfühlsame Hand ist die Voraussetzung für den Erfolg mit ihnen. Zehnjährig begann Arak große Fortschritte zu machen. Wir übten Zick-Zack-Traversalen im Trap und im Galopp, fliegende Galoppwechsel von Sprung zu Sprung, Passagen und schließlich Piaffen. Als Arak elf Jahre alt war, kam der Durchbruch in den S-Prüfungen Intermediaire I und II und Prix St. Georg. Bereits ein Jahr später etablierte sich Arak in der Grand Prix Klasse. Wir hatten es geschafft. Am 17. September 1994, Arak war damals 12 Jahre alt, siegten wir im Grand Prix in Donaueschingen vor erlesener Konkurrenz. 1995 zeigte er sein ganzes Können, seine große Ausstrahlung, Anmut und Eleganz im Grand Prix Spezial, den er am 18. Juni in Modena gewann. Seine beiden zweiten Plätze auf den großen internationalen Turnieren in Belgien unterstrichen seine Konstanz und seine bewundernswerte Loslösung von seiner Vergangenheit. 14 jährig machte ich Arak mit der Kür vertraut. 1996 hatten wir eine hervorragende Welt-Cup-Saison.
Arak hatte im Alter von sechs Jahren, nach intensivem Renntraining, dort begonnen, wo dreijährige rohe Dressurpferde stehen, die unvoreingenommen von der Koppel in die Reithalle wechseln. Mit insgesamt vier Siegen auf höchstem Level belohnte mich das Pferd, das mir so sehr ans Herz gewachsen war. Ich möchte gerne wieder einen Vollblüter ausbilden – hätte gern vier oder fünf von der Sorte, aber ich würde sie lieber direkt vom Gestüt kaufen, wenn sie noch keine Rennbahn betreten haben.
Die größten Erfolge von Arak xx
Arak xx: v. Rocket xx a. d. Adele xx, gezogen 4.5.1982 von Wilfried Schütz
Erfolge in der Dressur: 6 Siege in S-Dressuren, St. Georg, Intermediaire I und II, Grand Prix und im Grand Prix Spezial, 8 zweite Plätze, davon einer in der Kür, 15 dritte Plätze, 11 vierte Plätze und 16 fünfte Plätze.
Bei den German Masters in Stuttgart 1997 erreichte Arak in der Grand Prix Kür den 3. Platz.
Quelle:
"Das Vollblut"
Ein Buch der Zeitschrift reiten&fahren ST.GEORG
Autorin: Jutta Besser-Lahtz
Bilder von: Jaques Toffi